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14. 9. 2011

Gemeinwesenarbeit


Grundlegendes Arbeitsprinzip sozialer Arbeit

Das Fachlexikon der sozialen Arbeit des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge definiert Gemeinwesenarbeit (GWA) ... als eine sozialräumliche Strategie, die sich ganzheitlich auf ein Quartier, einen Stadtteil und nicht pädagogisch auf einzelne Individuen richtet. Sie arbeitet mit den Ressourcen des Stadtteils und seiner Bewohnerinnen und Bewohner, um seine Defizite aufzuheben.

Dabei wird in der Fachwelt Gemeinwesenarbeit (GWA) neben der sozialen Gruppenarbeit und der Einzelfallhilfe als eine der drei grundlegenden Arbeitsprinzipien der Sozialen Arbeit bezeichnet. Sie nimmt Sozialräume (Nachbarschaften, Stadtteile und Gemeinden) zum Gegenstand sozialer Intervention und ist – im Gegensatz z.B. zu Bürgerinitiativen – eine Tätigkeit von professionellen, dafür bezahlten Fachkräften.

Sie setzt an den Fähigkeiten der Menschen an und nicht an ihren Defiziten. Ihr Ziel ist die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen im Wohngebiet, vor allem der benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

Hierzu gehören vielerorts auch Menschen mit Behinderungen bzw. ihre Familien. Denn Familien mit behinderten Angehörigen befinden sich auch heute noch in einer starken Belastungssituation, die gekennzeichnet ist durch eine veränderte Lebensplanung der Familie bzw. die Verarbeitung der Behinderung. Viele Familien geraten dadurch in eine soziale Isolation. Es fällt oftmals schwer, neben den Aufgaben der Pflege und Betreuung des behinderten Angehörigen, eigene persönliche und berufliche Interessen bzw. Pflichten wahrzunehmen.

Trotz des zum 1. Juli 2001 in Kraft getretenen »Rechtes zur ... Teilhabe behinderter Menschen« (SGB IX) ist auch die Integration für Menschen mit Behinderung selbst in das gesellschaftliche Leben nach wie vor sehr schwierig. Noch immer stoßen Menschen mit Behinderung auf Ablehnung bei dem Versuch, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, am häufigsten allerdings erleben sie eine Unsicherheit im Umgang mit ihnen.

Es ist einleuchtend, dass der Weg zu gegenseitiger Akzeptanz und zu einer möglichen Partnerschaft umso erfolgreicher ist, je näher man miteinander in Beziehung tritt. Aus diesem Grunde sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine lebensnahe Unterstützung von Menschen mit und ohne Behinderung bieten können. So können alle Beteiligten unterschiedlichen Alters konkret erleben, dass es normal ist verschieden zu sein und können trotz unterschiedlicher Kompetenzen gleichberechtigt miteinander leben lernen. Toleranz und Achtung vor dem anderen entwickeln sich so selbstverständlich.


Engagements der Lebenshilfe Neuss im Rahmen der Gemeinwesenarbeit

Aus diesen Gründen engagiert sich die Lebenshilfe Neuss e.V. in verschiedener Hinsicht im Rahmen des Gemeinwesens, insbesondere in den Bereichen/Projekten:

Martin-Luther-Haus

Menschen mit und ohne Behinderungen leben oft nebeneinander her und begegnen sich viel zu selten. Die Folgen sind häufig Unsicherheiten im Umgang miteinander.

Mit dem Projekt »Martin-Luther-Haus« schafft die Lebenshilfe Neuss e.V. in Kooperation mit der evangelischen Christuskirchengemeinde eine Verbindung, um Kontakte zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen.

Schon lange gibt es Verbindungen dieser Art: seit über 40 Jahren treffen sich Menschen mit und ohne Behinderungen in den Neusser Pfarren Pius und Einstein.

Angebote der Lebenshilfe Neuss e.V. und insbesondere der »Offenen Hilfen« finden statt im Martin-Luther-Haus auf der Drususallee 63 in der Neusser Innenstadt. Einige davon werden im Laufe eines Jahres gemeinsam mit den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern/innen der Christuskirchengemeinde durchgeführt:

  • Integratives Internet-Café,
  • Disco im Jugendzentrum »Upside Down«,
  • Singleparty im Upside Down,
  • Integrative Karnevalssitzung »Jeck op Jeckerei«,
  • Spielenachmittag für Kinder und Jugendliche,
  • Gemeindefeste,
  • Adventnachmittag,
  • sonstige einmalige Aktionen.

Viele Gruppen treffen sich darüber hinaus in den Räumen des Martin-Luther-Hauses und im Café F(l)air zum Brunchen, Singen, Basteln und Reden. Auch mehrere Nachmittags-Betreuungsgruppen für integrativ beschulte Kinder werden hier angeboten.

Im »integrativen Freundeskreis«, der sich regelmäßig zum Austausch und zur Planung von Aktivitäten trifft, wird die gemeinsame Arbeit geplant. Wenn Sie Interesse haben, hier aktiv zu werden, dann laden wir Sie gerne zu den Treffen ein. Die Termine erfahren Sie über die »Offenen Hilfen« oder im Programm.

Gemeinwesenarbeit Allerheiligen

Die Stadt Neuss plant bereits seit einigen Jahren in dem umfangreichen Neubaugebiet der »Entwicklungsmaßnahme Allerheiligen« die Errichtung eines Gemeinwesenzentrums mit den drei Elementen

  • offene Kinder- und Jugendeinrichtung,
  • Gemeinwesenarbeit,
  • Tageseinrichtung für Kinder,

Ursprünglich sollte dieses Projekt an der Stelle des traditionsreichen »Illinghauser Hofes«, eines alten Bauernhofes als Ersatzneubau errichtet werden. Aufgrund verschiedener Entwicklungen und Entscheidungen, die sich teilweise bereits über Jahre erstrecken, ist seit März 2006 ein Standort südlich der Bustrasse und östlich der neu errichteten Sporthalle und nördlich der Betriebsstätte der Gemeinnützigen Werkstätten (GWN) vorgesehen.

Die aktuelle Planung sieht noch den Zusammenschluss des Kinder- und Jugendzentrums mit einer viergruppigen Kita vor..

In der Tageseinrichtung für Kinder sollen in vier Gruppen insgesamt ca. 95 Kinder betreut werden. Aufgenommen werden Kinder ab zwei bzw. drei Jahren bis zur Einschulung. Die Aufnahme von Kindern mit Behinderung ist möglich.

Bei der Kinder- und Jugendeinrichtung handelt es sich um eine »Offene Tür« mit (ca. zwei) hauptamtlichen Fachkräften und zusätzlichen Honorarkräften. Zur Zeit wird von einer Öffnungszeit an fünf Tagen und Einzelveranstaltungen an den Wochenenden ausgegangen.

Informationen zum geplanten Bauprojekt finden Sie hier: quadrat

Familienzentrum Sonnenblume

Informationen zum Familienzentrum finden Sie auf der Homepage des Familienzentrums.